Kopfgelenktherapie nach Picard
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Behandlungswürdige Juvenile Skoliose

Aus kopfgelenktherapeutischer Sicht wird angenommen, dass die Kopfgelenkasymmetrie die funktionelle Ursache der allfälligen Wirbelsäulenskoliose ist. Wird der linke hintere Digastricusbauch vor die Kopfgelenke geführt, entstehen symmetrische Zugverhältnisse entlang der Wirbelsäule. Funktionell ist die Skoliose mit der Therapiemaßnahme ausgeschaltet, physiologisch und morphologisch wird ein langer Umstellungsprozess angestoßen. 

Oben: Rotationswerte vor und nach Kopfgelenktherapie. Unten: Schriftliche Spontanäußerung nach Therapie: "Der Kopf fühlt sich frei an und man kann ihn besser bewegen. Im SItzen ist der Rücken gerade und fühlt sich nicht mehr schief an."

Eine Jugendliche (*1992) mit behandlungswürdiger Skoliose wurde am 14.10.09 behandelt.

Seit vier Jahren Skoliose auffällig, keine Beschwerden. Zunächst Krankengymnastik - ohne Effekt. Vor 2 Jahren nach Spezialklinik: Skoliosewinkel 19 Grad, linke Hüfte steht höher, Korsett; letzte Kontrolle vor einem halben Jahr: 17 Grad.

Am 30.10.09 wurde katamnestisch folgendes festgestellt: 

Rücken fühlt sich im Sitzen gerade an. Kann jetzt nachts beschwerdefrei das Korsett tragen (drückt nicht mehr). Bei Kontrolle in Klinik: erneut 17 Grad Skoliosewinkel

Die Patientin beurteilte den Therapieerfolg an dem Tag folgendermaßen:

Vor der Therapie habe ich gemerkt, dass der Rücken im Sitzen schief ist und dann musste ich den korrigieren und nach der Therapie war er immer gerade.

Diese Aussage macht deutlich, dass das nächtliche Korsett-Tragen relativ unwirksam geworden war und seine Stützfunktion nicht mehr erfüllte. Interpretiert könnte es sein, dass der Organismus sich gerade hält, weil durch die Digastricusumlagerung in der Rückenmuskulatur fortan Tonussymmetrie herrscht. Nach einem Beobachtungszeitraum von 11 Monaten (1.10.2010) wurde berichtet, dass die Patientin beschwerdefrei, das Korsett offiziell abgesetzt worden sei und der nächste Kontrolltermin erst in zwei Jahren stattfinden würde.

Radiografien von sechs Jugendlichen mit je unterschiedlichen Skolioseverläufen mit je 40 Grad Cobb (Quelle Wikipedia, Artikel Skoliose). Das gemeinsame Merkmal - bei aller morphologischer Vielfalt, die vom Anfangszeitpunkt der verstärkten Skoliosebildung abhängt - ist der Hypertonus der rechtsseitigen Rückenmuskulatur (u.a. Musculus iliocostalis lumborum et thoracis sowie der Musculus quadratus lumborum) bzw. der Hypotonus der entsprechenden linkseitigen Muskulatur.

Die Höhe und der Verlauf des allgemeinen Muskeltonus bestimmen darüber, ob die kopfgelenkasymmetriebedingte Wirbelsäulenverwringung mehr oder weniger zum Tragen kommt: Es sind deswegen am häufigsten Frauen betroffen, weil jene hormonell und zyklusbedingt einen geringeren und wechselnden Muskeltonus als Männer entwickeln. Je größer bei der juvenilen Skoliosebildung die noch vorhandene Wachstumsreserve oder vielmehr je früher die Skoliose einsetzt, desto gravierender die Skolioseentwicklung. Zum Zeitpunkt der verstärkten Skoliosebildung - im zarten Jugendlichenalter - muss sich die regelhaft vorhandene Kopfgelenkasymmetrie verschlimmert haben - vermutlich in erster Linie durch die Hormonumstellung zum Zeitpunkt der Menarche und in zweiter Linie durch relativ harmlos erscheinende Kopftraumata (Stürze,etc.) -, was eine verstärkte Tonusasymmetrie der Muskulatur entlang des Achsenskeletts zur Folge hat. Aus kopfgelenktherapeutischer Sicht sind diese Überlegungen plausibel; sie bedürfen eingehender klinischer Überprüfung.