Kopfgelenktherapie nach Picard
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Frühkindliche Symmetriestörung des Achsenskeletts

Die frühkindliche Symmetriestörung des Achsenskeletts ist ein relativ häufiges Symptombild, das u.a. durch Kopfschiefhaltung, Überstreckung des Kopfes nach hinten (Opisthotonus), Bevorzugung einer Mutterbrust, Berührungsempfindlichkeit, Unruhe und Schreien charakterisiert ist. Die ausgeprägte Kopfgelenkasymmetrie äußert sich in Rückenlage durch eine sog. C-Skoliose. Außerdem ist sehr häufig bei Neugeborenen zu beobachten, dass sie die Neigung haben, in Rückenlage den Kopf nach links gewendet zu halten, was insbesondere dann auffällt, wenn in einem Gruppenbild Neugeborene nebeneinander aufgereiht gezeigt werden.

Mit frühkindlicher Symmetriestörung diagnostiziertes, siebenmonatiges Mädchen
Facharztüberweisungen (Kinderradiologie, Kinderorthopädie)

(1) Ein Mädchen, geboren am 11.8.09, wurde am 23.3.10 im Alter von 7 Monaten behandelt. Die Mutter  bestätigt, dass die Symptomatik, die zur Kinderradiologie und zur Facharztüberweisung geführt hatte, dauerhaft ausgeblieben sei, mit folgenden Worten (30.3.10):

Meiner Tochter geht es gut, ich habe keine Schiefhaltung des Kopfes mehr bemerkt. Sie ist fit mit beiden Händen und hat nun das Xylophon für sich entdeckt, welches sie mit Erstaunen und Begeisterung beidhändig bearbeitet. Die Kopfdrehung ist auch in beide Richtungen gut.

Am 13.5.10 bemerkte die Mutter:

Meine Tochter ist unauffällig, sie kann unheimlich weit zur Seite gucken, wie ein Gummihals. Ich war gar nicht mehr zum Orthopäden, lieber zum Kinderarzt, das reicht auch.

Nach Therapie war es hinsichtlich der diagnostizierten Symmetriestörung bald unauffällig geworden und nach einer Beobachtungszeit von 6 Monaten war von der Symmetriestörung weiterhin nichts zu bemerken.


(2) Ein viermonatiger Junge wurde am 27.7.2008 behandelt. Er litt aufgrund einer schweren Schultergeburt besonders unter den Folgen einer ausgeprägten Kopfgelenkasymmetrie, konnte unter anderem den Kopf nur ganz eingeschränkt nach rechts wenden (siehe ersten Film) und lag in Rückenlage immer in C-Haltung. Die Digastricus-Muskelumlagerung führte dazu, dass er ab sofort die Aufmerksamkeit zur rechten Seite sichtlich besser halten konnte (siehe zweiten Film), nach bereits drei Wochen war es zu einer Bevorzugung der rechten Hand gekommen (siehe dritten Film). Ein Jahr später war er hinsichtlich der Symmetriestörung unauffällig geblieben und verfügte über eine regelhafte Feinmotorik.

Viermonatiger Junge mit Asymmetriestörung, siehe Krümmung des Körpers nach links. Der Strich wurde gezeichnet, um aufzuweisen, wie stark der Digastricus-Muskelzug auf die Körperhaltung Einfluss nimmt: Die gesamte Wirbelsäüle beugt sich dem mächtigen Krümmungsimpuls.

Strampelmuster vor Therapie: Dass der eine Arm (der rechte) mehr bewegt, als der andere (der linke), einen größeren Radius hat, als der andere. Wenn man jetzt den Kopf auf die andere Seite legt, was passiert dann? Mutter nähert sich ihrem Kind von rechts und versucht mittels eines klickenden Kugelschreibers, eine Kopfdrehung nach rechts zu veranlassen. Ihr Kind folgt dem Gegenstand zwar kurz mit den Augen, dreht den Kopf aber nicht nach rechts. Kaum hat die Mutter aber den klickenden Gegenstand von links präsentiert, steckt das Kind die Hand in den Mund. 

Das Kind hat eine betontere Motorik auf der linken Seite, kann den Kopf nicht nach rechts drehen und interessante Dinge, die auf der rechten Seite erscheinen, nicht 'ergreifen' (verliert den Blickkontakt, kein Hand-Mund-Reflex).

Strampelmuster nach Therapie: Diesmal lockt die Mutter die Aufmerksamkeit ihres Kindes nach rechts mit einem großen Kuscheltier. Ihr Kind hält die Aufmerksamkeit zur rechten Seite deutlich anhaltender. Ich habe das Gefühl, das Strampeln ist symmetrischer und die Arme machen beide dasselbe ungefähr. Hier wirkt es ein bisschen gerader (Mutter streicht beidhändig am Rumpf ihres Kindes entlang nach unten) Die eine Hand führt natürlich, aber die andere Hand macht die Bewegung hinterher.

Das Kind wedelt beidhändig und symmetrischer, kann den Kopf andeutungsweise nach rechts drehen und interessanten Dingen auf der rechten Seite mit dem Blick besser folgen.

Drei Wochen nach Therapie (15.8.2008): Mal sehen, wie weit er nach rechts kommt. Oooh! Also, er kommt wesentlich weiter nach rechts. Spiel mal mit ihm von rechts. Mutter nähert sich ihrem Kind mit einem Gegenstand von rechts. Kind nuckelt sowieso an seiner rechten Hand. Und er taucht die rechte Hand in den Mund, das war vorher (vor Therapie) nicht. Ja, da hat er immer mehr an der linken herum gekaut.

Die Mutter verlautbarte folgendes:

Ja, er ist ja jetzt schon vier Monate und zwei Wochen, die Zeit vergeht. Seine Bewegungen sind jetzt mehr in der Achse. Er liegt zwar bei Ermüdung liegt schon noch in der C-Haltung, aber der Kopf dreht sich jetzt so (demonstriert eine waagrechte Drehung nach rechts) und vorher konnte er den Kopf nur so drehen (demonstriert eine schräg nach oben verlaufende Drehung des Kopfes nach rechts). Irgendwie konnte er nicht um seine Achse rotieren.

Es entwickelte sich innerhalb der drei Wochen nach Therapie eine Bevorzugung der rechten Seite, das Kind nuckelt gern an seiner rechten Hand, was es vor Therapie nicht gekonnt hatte und macht einen sehr guten Gesamteindruck. Die Mutter berichtet, die Kopfdrehungen haben sich normalisiert. 

Kopfgelenkasymmetrie bedingte, nach links gewendete Neugeborenen-Haltung

Der Neugeborene krümmt sich unter der Einwirkung der Kopfgelenkasymmetrie: Der Zug des linken hinteren Digastricus-Muskelbauchs bewirkt, dass der Kopf bereits im Mutterleib und auch gleich nach der Geburt nach links gerichtet ist. Wenn die Geburt traumatisch war (z.B. Schultergeburt, Saugglocke), verstärkt sich die Wirkung des Digastricus-Zuges.

Die dargelegten Therapieergebnisse legen nahe, dass die Digastricus-Muskelumlagerung als Therapie der Asymmetriestörung des Kleinstkindes indiziert ist. Die fachärztlichen Überweisungen wurden im Falle des siebenmonatigen Mädchens nicht realisiert, weil der Therapieerfolg die Mutter überzeugt hatte; im Falle des viermonatigen Jungen, der eine schwere Schultergeburt gehabt hatte, ergab sich kurzfristig eine weitreichende Besserung des Gesamtzustandes. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Kopfgelenktherapie bei der frühkindlichen Symmetriestörung indiziert ist. Allerdings ist in regelmäßigen Zeitabständen auf den Erhalt der symmetrischen Digastricus-Muskelführung im Sinne einer langfristig angelegten Nachsorge zu achten.