Kopfgelenktherapie nach Picard
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Kopfgelenktherapie des Clusterkopfschmerzes

Aus kopfgelenktherapeutischer Sicht liegt die primäre Ursache des Clusterkopfschmerzes (IHS-Klassifikation) in der latent stets vorhandenen Parapharyngealraum-Kompression, die durch das Vordrängen des linken Atlasfortsatzes bewirkt wird. Dies hat hämodynamische Folgen; venöses Blut kann zeitweilig nicht ungehindert abfließen: Der Sinus cavernosus, ein venöses Sammelgebiet an der Gehirnbasis, pulsiert, weil es von großen Arterien durchwandert wird, füllt sich an, wird hart und übt zeitweilig Druck auf Nervenbahnen aus: Es besteht dann eine vorübergehende Druckausübung auf bestimmte Hirnnerven (Nervus oculomotorius, Nervus trochlearis, Nervus abducens). Ein stark angefülltes, hartes, pulsierendes Venengeflecht kann sich Kopfgelenkasymmetrie bedingt eher nur in der linken Kopfhälfte bilden, was von der linksseitig obstruierten Drosselvene herrührt. Die IHS-Klassifikation bestätigt die vorwiegende Einseitigkeit der Symptomatik:  Sie sei durch streng einseitige Schmerzattacken mit konjunktivaler Injektion, Lakrimation, nasaler Kongestion, vermehrtem Schwitzen im Bereich von Stirn und Gesicht, Miosis, Ptosis, Lidödem und großer Unruhe charakterisiert. Die Kopfgelenkmuskulatur hat also Phasen, in der sie nicht mehr in der Lage ist, den durch den linken hinteren Digastricusmuskel verursachten Druck nach vorn zu kompensieren, was zu einem Druck auf die Drosselvene mit Verminderung des venösen Abflusses führt. Dann staut sich das venöse Blut im Sinus cavernosus und drückt letztlich vorwiegend auf die linken, am Keilbein entlangziehenden Augennerven, was zu den Clusterkopfschmerz-spezifischen Augendruck-Symptomen führt.

Die ursächliche Therapie bei Clusterkopfschmerz besteht in der Offenhaltung des linken Parapharygealraums durch Umlagerung des linken hinteren Digastricus-Muskelbauches (Venter posterior musculi digastrici) vor den linken Atlasfortsatz. Im Anschluss muss die symmetrische Stellung der Kopfgelenke regelmäßig überprüft werden; begleitend sollte die kurze Nackenmuskulatur vibratorisch umgestimmt und Anweisungen zur Unterdrückung von Augendruck-Symptomen gegeben werden (Kopfretraktionsübung).


Wir haben einen männlichen Patienten (* 1963) mit wahrscheinlichem Clusterkopfschmerz mit gutem Erfolg therapiert. Anamnestisch wurde folgendes notiert: 

16.6.09 Seit ca. 7 Jahren linksseitige Kopfschmerzen vom Nacken bis zum Auge strahlend, ins Auge brennend, Sehschärfe zeitweise schwächer, tränt etwas. Fehlsstellung des linken Kiefergelenks, permanenter Druck, Tubenventilationsstörung links, dadurch Entzündung, 2 x Op. Mittelohr/Trommelfell. Aktuell akuter Dauerschmerz, am schlimmsten im Auge.

Der Verlauf wurde folgendermaßen dokumentiert: 

24.6.09 Kann beim Autofahren gut nach hinten schauen. Druck auf li Seite ist fast ganz weg, Stiche in Auge fast weg, noch ganz geringer Schmerz ums li Auge. Gel. noch kurz anhaltender seitl. Schmerz. 

7.7.09 Kaum noch Schmerz im Kopf-Auge-Bereich. Jetzt eher Schmerz/Verspannungen i.B. untere HWS- mittl. BWS. Kein Kieferschmerz mehr, Tube weitgehend frei. 

4.8.09 Hatte einmal heftigen Schmerz, der durch Kopfretraktion sofort verschwand. Nahezu permanent dorsale Halsmuskeln zu spüren. Druck/Schmerz zwischen den Schulterblättern. LWS beschwerdefrei.

Es folgten weitere Termine, die die Clusterkopfschmerz-spezifische Symptomfreiheit bestätigten und zeigten, dass im Verlauf der Beobachtungszeit die Wirbelsäule sich umstrukturiert hat im Sinne einer Symmetrisierung. Nach einem dreivierteljahr Beobachtungszeit hat der Patient zum Abschluß der erfolgreichen Therapie ein aussagekräftiges Interview gegeben: 

...dass ich nach einer gewissen Zeit gemerkt habe, wenn der Schmerz auftrat durch die Verspannung, dass ich durch Zurücklehnen meines Kopfes und eine seitliche Drehung diesen Schmerz ausblenden konnte, der war dann weg für diese Zeit. Das ist wiederum eine Sache,... fand ich damals sehr interessant, brauche ich aber mittlerweile nicht mehr. Dadurch dass dieser Schmerz nicht mehr auftritt, oder, wenn er leicht noch auftritt, keine Rolle mehr spielt, ist das also auch nicht mehr nötig, dass ich hier noch Übungen mache, das hat sich einfach normalisiert mittlerweile.

In der Körperhaltung: Schmerzen, die ich vorher hatte, relativ häufig im Lendenwirbelsäulenbereich, die sind auch verschwunden. Es war für mich sogar deutlich spürbar, wie sich die Muskeln wieder entwickeln. Es war regelrecht so, dass sich diese Bereich hier verfestigt haben (zeigt auf die linke Nackenregion). Untersützt von den regelmäßigen Kontrollterminen und den Massagen, kann ich also sagen, diese Kopfgelenktherapie, aus meiner Sicht heraus, empfehle ich wirklich weiter. Es ist eine sehr sinnvolle Geschichte und dadurch, dass viele Probleme gelöst werden können, bin ich der Meinung, dass man das verbreiten muß.

Anmerkung: Oben ist von einer speziellen Bewegung die Rede, die im therapierten Zustand einen Anfall unterbrechen kann.

Nach einem Zeitraum von anderthalb Jahren teilte der o.g. Patient folgendes mit:

Ansonsten geht es soweit gut. In sehr stressigen Situationen an der Arbeit  ist gelegentlich die Verspannung im Nacken wieder da, zusammen mit dem Schmerz über Kopf ins Auge. Ich habe noch nicht herausgefunden, wie ich dem  vorbeugen kann, aber wenn er da ist, bekomme ich ihn durch meine  Körperhaltung schnell wieder weg. Der Erfolg ist also nachhaltig.


Es folgt das vollständige Interview: 

Ich habe im Juni 2009 die Kopfgelenktherapie vornehmen lassen und jetzt mittlerweile, fast ein Dreivierteljahr später, festgestellt, dass damit eine ganze Menge Probleme gelöst sind oder auf dem Weg zur Lösung sind: Wenn ich so zurück blicke, sind die ersten Beschwerden, die ich hatte, zwischen fünfzehn, sechzehn Jahren zurück liegend. Das erste Mal fing es mit Beschwerden an, dass ich bei der Belüftung vom Ohr nicht mehr den Druckausgleich machen konnte, wenn ich getaucht bin. Ich konnte das früher sehr gut. Die Sache ging weiter: Immer dann, wenn ich an Schaufenstern an Spiegeln vorbeiging, fiel mir im Lauf der Jahre auf, dass ich einen Buckel gemacht hab. Habe das immer zurück geführt auf altersbedingte Zustände oder dass ich keinen Sport treibe. Ich hatte immer den Eindruck, dass mein Kopf die Neigung hatte, sich nach vorne zu beugen. Wenn ich mich gezwungen habe, gerade zu stehen, hat das nie richtig funktioniert. Am schlimmsten waren die Beschwerden, die ich bekommen habe, im Kopf. Das heißt also, ein stechender Schmerz, der sich über den Nacken hinweg über den Kopf im Halbkreis ins Auge gebohrt hat, also regelrecht gebohrt, dass ich das Gefühl hatte, da sind glühende Pfeile drin und von hinten drückt jemand den Augapfel raus. Zwischendurch hatte sich das Problem mit dem Ohr verschlimmert, so dass das Trommelfell nicht mehr verheilt ist und ich ein neues Trommelfell eingesetzt bekommen habe. Diese Operation hatte ich hinter mir, der Kopfschmerz bestand aber fort. Ich habe bei verschiedenen Nachuntersuchungen meinen Fall noch einmal vorgestellt, insbesondere mit den Kopfschmerzen, bis dann mein Hausarzt mich hierher geschickt hatte. Ich bin dann also hierher gekommen, wir haben uns über meinen Fall unterhalten, die Therapie wurde dann durchgeführt, wie gesagt im Juni 2009. Das allererste, was mir aufgefallen war, als ich nach der Therapie wieder in mein Auto gestiegen bin, um nach Hause zu fahren: Ich konnte ohne Beschwerden und Probleme den Kopfblick im Fahrzeug beim Ausparken (wendet den Kopf demonstrativ nach links und rechts) machen. Das ging ganz wunderbar, denn vorher musste ich immer den Oberkörper drehen. Auch das hatte ich jahrelang auf meine fehlende sportliche Betätigung zurück geführt bzw. vielleicht auch ein bisschen aufs Alter, wobei so alt bin ich zwar noch nicht; das weiss ich ja jetzt, dass es andere Gründe hatte. Diese Irritation ist nicht mehr vorhanden in den Kopfgelenken, im Hals und so konnte ich also im Laufe des letzten Dreivierteljahres schon spüren, dass die Muskeln sich aufgebaut hatten, dass ich keine Probleme mehr damit habe, gerade zu stehen, dass mein Kopfschmerz sich zurück entwickelt hat. Es hat eine Weile gedauert, jetzt ist der Kopfschmerz nahezu verschwunden, aber es stellt kein Problem mehr dar. Die Verspannungen im Nacken-/Schulterbereich, die ich eigentlich permanent hatte, auch bedingt durch meinen Beruf und Stress, die immer vorhanden waren: Ich fühle mich jetzt zu jeder Tag- und Nachtzeit locker und ausgeglichen. Was noch hinzu kommt: Eine der größeren Beschwerden war ein ständiges Druckgefühl, hier in diesem Wangenbereich, was ich zurück geführt hatte auf eine Kieferoperation an einem  Weisheitszahn (weist an die linke Wange). Ich hatte jedenfalls, auch durch die Ohr-OP, angenommen, dass da etwas ist. Mittlerweile weiß ich, dass das ständige Druckgefühl von dieser Irritation im Hals (Anm.: der Kopfgelenkasymmetrie) herkam, denn es ist verschwunden, schon bald nach der Therapie. Die Bestätigung ist definitiv, weil dieser Schmerz und diese Beschwerden vollkommen weg sind. Das war auch ein Grund, warum ich sehr häufig zu Zahnärzten gegangen bin und zu Kieferorthopäden, weil ich immer angenommen habe, hier hinten hat sich etwas vereitert und verkapselt. Es ist alles vorbei heute, ist nicht mehr. Mein Zahnarzt hat auch eine Schiefstellung im Gebiss diagnostiziert, hatte mir auch so eine Bissschiene gegeben, die ich aber nach der Kopfgelenktherapie nicht mehr verwende, weil diese Schiefstellung quasi nicht mehr vorhanden ist. Das hat der Zahnarzt mir also auch bestätigt. Sogar die Durchblutung vom Zahnfleisch und meine vorhergehende Paradontosebehandlung,... da macht mir mein Zahnarzt mittlerweile einen sehr zufriedenen Eindruck. Was ich zum Kopfschmerz noch hinzufügen kann, ist, dass ich nach einer gewissen Zeit gemerkt habe, wenn der Schmerz auftrat durch die Verspannung, dass ich durch Zurücklehnen meines Kopfes und eine seitliche Drehung diesen Schmerz ausblenden konnte, der war dann weg für diese Zeit.  Das ist wiederum eine Sache,... fand ich damals sehr interessant, brauche ich aber mittlerweile nicht mehr. Dadurch dass dieser Schmerz nicht mehr auftritt, oder, wenn er leicht noch auftritt, keine Rolle mehr spielt, ist das also auch nicht mehr nötig, dass ich hier noch Übungen mache, das hat sich mittlerweile normalisiert. In der Körperhaltung: Schmerzen, die ich vorher hatte, relativ häufig im Lendenwirbelsäulenbereich, die sind auch verschwunden. Es war für mich sogar deutlich spürbar, wie sich die Muskeln wieder entwickeln. Es war regelrecht so, dass sich diese Bereiche hier verfestigt haben (zeigt auf die linke Nackenregion). Unterstützt von den regelmäßigen Kontrollterminen und den Massagen, kann ich also sagen, diese Kopfgelenktherapie, aus meiner Sicht heraus, empfehle ich wirklich weiter. Es ist eine sehr sinnvolle Geschichte und dadurch, dass viele Probleme gelöst werden können, bin ich der Meinung, dass man das verbreiten muss.

Oben links: "Das heißt also, ein stechender Schmerz, der sich über den Nacken hinweg" Oben rechts: "über den Kopf im Halbkreis" Unten links: "ins Auge gebohrt hat, also regelrecht gebohrt" Unten rechts: "dass ich das Gefühl hatte, da sind glühende Pfeile drin und von hinten drückt jemand den Augapfel raus."

Zunächst stand in der Jugendzeit eine hartnäckige Tubenventilationsstörung im Vordergrund, die zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Operation geführt hatte, weil sich das Innenohr entzündet hatte. Der Patient ist in kurzer Zeit sehr groß gewachsen, so dass später die betonte Brustwirbelkyphose und die Kopfvorhaltung auffällig wurden. Im Erwachsenenalter traten dann die Clusterkopfschmerz-spezifischen Augendruck-Symptome auf. Die Kopfgelenktherapie führte zunächst dazu, dass in überraschender Weise die Kopfdrehungen besser funktionierten. In der Folge bemerkte der Patient, dass sich die Haltung verbessert und die Kopfschmerzen zurückgebildet hatten. Auch der linksseitige, quälend-dumpfe Schmerz hinter dem linken Kiefergelenk habe sich vollständig beruhigt. Nach der Therapie wurde vom Zahnarzt eine mittige Führung des Kiefers festgestellt, die das Tragen einer Bissschiene überflüssig gemacht habe. Auch sei das Zahnfleisch ingesamt besser durchblutet und die Paradontose-Neigung zurück gegangen. Schließlich seien auch Schmerzen in der Lendenwirbelsäule zurück gegangen und die Hals-/ Nackenregion muskulöser geworden.

Aus der Schilderung wird ersichtlich, dass mehrere orthopädische oder vielmehr verwringungsbedingte Symptome (Tubenventilationsstörung, Rundrücken, Kopfvorhaltung, Nackenschmerzen, Schmerzen hinter dem Kiefergelenk) und mehrere durchblutungsbedingte Symptome (Kopfschmerzen, die auf das venöse Abflussproblem hinweisen, Paradontoseneigung) als Folge der Kopfgelenktherapie langfristig verklungen sind. Weil die therapeutische Maßnahme - Umlagerung des hinteren Digastricusmuskelbauches vor den Atlas - geholfen hat, ist zu vermuten, dass die Kopfgelenkasymmetrie - Verlauf des Digastricusmuskelbauches hinter und unter dem Atlasfortsatz - eine Mitursache für die unterschiedlichen Symptome bei diesem Patienten gewesen sein muss. Demnach sollten beim Clusterkopfschmerz stets orthopädische und die Perfusion betreffende Aspekte zusammen betrachtet werden. Schließlich ist zu bedenken, dass Clusterkopfschmerz selten alleine auftritt, sondern wahrscheinlich - wie es bei unserem Patienten der Fall war - vorher andere Symptome auftreten, wie es hier sehr anschaulich und lebensnah vom Patienten geschildert wurde: Tubenventilationsstörung, Brustwirbelsäulen-Kyphose, Kopfvorhaltung, permanenter Druck hinter dem Kiefergelenk, Kopfschmerz mit Augendruck-Symptomen bauen aufeinander auf.