Kopfgelenktherapie nach Picard
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Nebenwirkungen der Kopfgelenktherapie

Bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wird der therapeutische Vorgang wie ein angenehmes Spiel registriert und die Umstellungsphase verläuft unbemerkt. Ein Jugendlicher sagte einmal, die Behandlung sei ihm tausend mal lieber als ein Zahnarztbesuch gewesen. Bei Erwachsenen, insbesondere jene mit normaler muskulärer Ausstattung und geringer Symptomatik, erfolgt die Anpassung an die symmetrische Digastricus-Muskelführung beinahe unbemerkt. Hingegen wird der Anpassungsprozess bei schwächerer Muskulatur und stärkerer Symptomatik - in der Regel handelt es sich um Frauen - sehr wohl bemerkt und von Nebenwirkungen begleitet. Angesichts der oftmals schwerwiegenden vorhergehenden Symptome stößt man in der Regel aber auf Verständnis in Bezug auf spezielle, vorübergehende Anpassungsreaktionen:

  • In erster Linie und am häufigsten sind nach der Digastricus-Muskelumlagerung - insbesondere bei muskulär stärker ausgestatteten Personen - Dehnungsschmerzen in bislang nicht bemerkten Bereichen durchzustehen, weil sich die Körperstatik in Bezug auf vorne und hinten, rechts und links symmetrisiert. Muskelzüge, die vor Therapie kaum beansprucht wurden, werden nach Therapie plötzlich sehr viel stärker; bislang stark beanspruchte Muskelzüge sehr viel weniger beansprucht. Dies fällt bei Tänzern und Athleten besonders auf.
  • In zweiter Linie und viel seltener als muskuläre Anpassungsreaktionen gibt es solche, die sich auf die Wirbelarterien-Durchblutung beziehen, weil die bislang stark geschwächte kurze Nackenmuskulatur den Blutfluss über die Wirbelarterien zeitweilig nicht vollumfänglich sichern kann. Es treten dann vorübergehend die bekannten Symptome verschärft auf (z.B. Migräne, Schwindel, Hörgeräusche) und klingen ab, sobald die kurze Nackenmuskulatur ausreichend erstarkt ist.

Meistens, bei durchschnittlicher muskulärer Ausstattung und geringen gesundheitlichen Problemen, verläuft die Anpassung an die symmetrische Digastricus-Muskelführung wie gesagt unauffällig, wenn man den leichten Muskelkater, den kurzen Schwindel oder die Müdigkeit nach der Intervention mitberücksichtigt. Als seltene Nebenwirkung ist noch zu erwähnen, dass es zu vorübergehenden Konzentrationsstörungen, auch leichten Orientierungsstörungen kommen kann, was aber im Vorfeld nicht abschätzbar ist. Deswegen sollte man den Patienten nach der Behandlung fragen, ob er sich gut fühlt und sich das Führen eines PKWs zutraut (am besten ist es, wenn ein Patient in Begleitung kommt).

Die Kopfgelenktherapie kann in Einzelfällen bezüglich alter Beschwerden an der Wirbelsäule in der ersten Zeit verschlimmernd wirken. Nachdem aber die symmetrische Digastricus-Muskelführung eine längere Zeit - wenige Monate - gewirkt hat, wird der Symmetrie-Impuls ganz allmählich auch in den tiefen Regionen der Wirbelsäule wirksam und verschafft langfristig Linderung. Wichtig ist, dass man die Zuversicht nicht verliert und sich sicher ist, dass am Ende der unauffällig-erträgliche Zustand kommen wird.

Außerdem finden die oben erwähnten durchblutungsbezogenen Anpassungsprozesse statt, die mit vorhergehender ausgeprägterer Symptomatik verknüpft und vorübergehend unangenehm sein können:

  • Bei chronifizierten Beschleunigungsverletzungen verkümmert die kurze Nackenmuskulatur auf der linken Seite erheblich. Dem Patienten kommt es kurz nach der Muskelumlagerung so vor, als sitze der Kopf zu locker. Einige Tage lang können diese Patienten deswegen deutliches Unwohlsein verspüren und vorübergehende Symptome haben wie erneute Kopfschmerzen und Benommenheit.
  • Bei Tinnitus oder Schwindel muss man den Patienten, wenn er kurz nach Therapie verstärkt Ohrgeräusche oder Schwindel bekommt, beruhigen, indem man ihm sagt, dass seine kurzen Nackenmuskeln zwar in der ersten Zeit etwas zu schwach sind, um den Blutfluss über die Wirbelarterien (Arteria vertebralis) zu sichern, dass aber mit zunehmender Stärkung jener Muskeln - nach wenigen Tagen - auch die Ohrgeräusche oder der Schwindel zurück gehen werden, die nur in der Anfangszeit zu erwarten sind.
  • Derselbe Sachverhalt liegt bei langjähriger Migräne vor, dass es aufgrund muskulär nicht ausreichend gestützten Wirbelarterien-Verlaufs anfänglich zu Rückfällen kommt, woraufhin sich bald - in der Regel ab dem ersten Migräneanfall nach Therapie - ein merklicher Rückgang der Migränehäufigkeit und -schwere einstellt.

Mit der Digastricus-Muskelumlagerung ist der wesentliche therapeutische Schritt bezüglich verwringungs- und durchblutungsbedingter Symtpome getan. Die möglicherweise nach Therapie verstärkt auftretenden Symptome sind in der Regel nicht alarmierend, insofern diese als physiologische Anpassungsleistung an die neue Situation der Kopfgelenke - ohne den Digastricus-Druck - aufzufassen sind. Stets geht es neben speziellen Maßnahmen darum, daran zu erinnern, dass es sich um eine Umstellungsphase handelt, nach der ein allgemeiner Rückgang der ursprünglichen Symptomatik mit großer Sicherheit zu erwarten ist.

Aus psychologischer Sicht geht es darum, der Erwartungsangst einen Riegel vorzuschieben: Der Patient erwartet ein bekanntes, schlimmes Symptom und die ängstliche Erwartung des Symptoms führt geradewegs auf das befürchtete Symptom zu. Da hilft eine distanziert-humorvolle Haltung gegenüber dem Symptom, etwa, man freue sich auf den nächsten Schwindelanfall, weil man ja die 'Schwindelanfall-Medaille' gewinnen möchte. Dann bleibt der befürchtete Schwindelanfall überraschenderweise aus (paradoxe Intention nach Viktor Frankl). Es hilft auch ein Nicht-Beachten der Symptomatik, etwa, es gebe ja Wichtigeres zu tun, als auf Symptomentwicklungen zu warten. Mit dieser Haltung wird das übermäßige Beachten (Hyperfokussieren) von Symptomatiken vermieden (Dereflexion nach Viktor Frankl). Besonders bei ehemals schwerst Kopfgelenkasymmertrie betroffenen Patienten kann sich nach Kopfgelenktherapie ein Erwartungsangst-Zyklus fortsetzen, der angesprochen und ins Bewusstsein gehoben werden sollte. Durch die optimierte Versorgung der alten Hirnareale (Rhombencephalon) durch die fortan nicht mehr gedehnten Wirbelarterien gehen Angstzustände aber auch von alleine zurück und weichen einer erhöhten Lebenszuversicht.